Donnerstag, 29. Oktober 2015

Autor, bleib bei deinem Genre!

Ein paar wenige Auserwählte haben bereits den Anfang meines Romans lesen dürfen und verlangen nach mehr. Und in meinen Schreibguppen auf Facebook werde ich nicht müde zu erwähnen, dass ich begeistert daran arbeite.
Warum kommt das Ding dann nicht aus dem Quark?
Ständig sitze ich vorm Laptop, starre das offene Dokument an und schreie: "Jetzt tu doch mal was! Gib Hackengas!"
Ich trage die Story doch schon seit Jahren mit mir herum, habe Ideen, ein fast vollgeschriebenes Notizbuch allein für diese Geschichte und die Handlung von Anfang bis Ende im Kopf, bzw. vor Augen.

In der Zwischenzeit habe ich mehrere Kurzgeschichten und eine Novelle geschrieben. Den Roman schob ich immer wieder vor mir her, obwohl meine Testleser meinten, dass ich unbedingt weiterschreiben soll. Das hat mich natürlich motiviert und ich schrieb auch weiter.
Um dann wieder zu pausieren.

Inzwischen weiß ich auch, warum es so schleppend voran geht. Das verdammte Ding ist Fantasy! Kein Horror! Seit einer gefühlten Ewigkeit schreibe ich einen Fantasyroman!
Als mir das bewusst wurde, musste ich erst mal duschen gehen und meinen Laptop, sowie den USB-Stick exorzieren.
Okay, das war natürlich übertrieben ausgedrückt, aber ich bin Horrorautor, also kann man von mir auch einen Horrorroman erwarten, oder? Ich mache kein Geheimnis daraus, dass ich Fantasy nicht allzu sehr mag. Mein bisher geschriebener Roman ist somit also auch ein hervorragendes Beispiel, dass es schwer ist ein Genre zu bedienen, in dem man sich nicht wohlfühlt.

In meinem Freundeskreis sind herzlich wenig Horrorfans, deswegen kam schon mehrmals die Frage, ob ich nicht mal Fantasy oder Thriller oder etwas in der Art schreiben könnte. (Oder eine Liebesgeschichte... Ihr hättet meinen Gesichtsausdruck sehen sollen. Und die zertrümmerte Inneneinrichtung, die ich hinterlasse habe.)

Nein! Kann ich nicht! Weil es nicht das ist, was ich schreiben will. Ich liebe Horror. Dort bin ich zuhause.
Mein Roman war es aber nicht und das ist etwas, das ich nun in Angriff nehmen werde. Glücklicherweise muss ich nichts an der Handlung ändern, auch die Charaktere bleiben erhalten. Es muss nur alles finsterer werden. Jahrelang habe ich die durchgeknallte, actionlastige Geschichte wie einen Film vor mir gesehen.
Jetzt sehe ich ihn mit ganz anderen Augen. Dreckig, düster und brutal.
...
Durchgeknallt und actionlastig, nicht zu vergessen. Und es ist ein befreiendes Gefühl, denn plötzlich packt mich die gleiche Begeisterung, die ich bei jeder meiner bisher geschriebenen Geschichten gefühlt habe. Während der Arbeit an meinem Roman war sie immer da, schaute sich aber im Wartezimmer lieber die Illustrierten an. Hätte ja mal klopfen können, das olle Ding.

Viele Leser sagten mir, sie würden gerne mal etwas Längeres von mir lesen und ich möchte sie nicht enttäuschen. Wenn dieser Roman fertig ist und erscheint, soll es eine Story sein, wie man sie von mir erwartet und nichts, über das man hinterher sagt: "Da ist ja in meinen Frühstücksflocken mehr Horror."

Wann, wo und wie das Buch denn nun erscheint, weiß ich natürlich noch nicht. Aber ich habe das Gefühl, von einem Sessellift in einen mit Plutonium betriebenen Delorean umgestiegen zu sein, wenn ich daran denke, ihn zu schreiben. Ein gutes Zeichen, wie ich finde.

Bis dahin, Thomas.